Viertelarroganz – Wie? Weshalb? Warum?

Eine kurze Begriffserklärung

Viertelgemütlichkeit? Viertelarroganz!

Immer wieder werde ich in meinem Boutique-Hostel von Gästen gefragt: „Wie bist du auf die Idee gekommen, Vermieterin eines XXL-Apartments zu werden? Warum fiel deine Wahl gerade auf diesen Standort im Schnittpunkt von Viertel, Schwachhausen, Ostertor und östlicher Vorstadt ?. Diese Frage kann ich mir jeden Tag auf das Neue zu beantworten. Schließlich hat sich der Markt von Apartments, Ferienhäusern, Gästezimmern, Hostels und Hotels in unserer Ferienregion derart zugezogen, dass ernsthaft Gewerbetreibenden kaum noch Luft zum Atmen bleibt. Hobbyarbeiter, Gelangweilte und Eierverkäufer, die den großen Markt wittern und leider oft die interessantesten Immobilien in unserer Gegend von Mami und Papi übernommen haben oder einfach alten Menschen mit einer Heizdecke das Geld aus der Tasche geleiert haben, machen sich immer mehr breit. Wie die Vampire in der Nacht saugen sie das Blut und die Energie aus den jungen und innovativen Kreativen und lassen sie dann schlapp am Weges Ende verhungern.

Vielleicht doch ein anderer Stadtteil wie die Neustadt? Um Gottes Willen. Die Region wurde von der Generation übernommen, die nicht nur Mami und Papi´s Lieblinge sind, sondern auch noch die letzten mageren Fördermittel der Stadt Bremen absahnen. Schließlich haben sie ja Zeit, sich um so Etwas zu kümmern. Warum sich abhetzen? In den Dienstleistungsbetrieben, wo sich der Gast, wie ich freuen würde, wenn sie mal einen Zahn zulegen, haben sie auf jeden Fall die Ruhe weg.

Ich bin loyal – auch meinem Stadtteil. In Bremen kommt einfach nichts Anderes als das Viertel für mich in Frage. Meine Ursprungsort liegt exakt zwischen Bremen und Hannover. Es stand nie zur Debatte, welche Stadt mir näher ist. Bremen war und ist die Stadt meiner Wahl. Hier habe ich mit 18 Jahren und mit meinen Freundinnen das Römer und das Imperial belagert. Hier haben wir die Barkeeper des Café Brasil oder des Airport zur Verzweiflung gebracht und sind nach zu viel Tequilas in den Morgenstunden vom Barhocker gekippt.

In Bremen gab es die erste eigene Wohnung und die meisten durchtanzten Nächte.

Eigentlich wollte ich die vier B´s schaffen. Bruchhausen-Vilsen, Bremen, Berlin, Barcelona. Barcelona kommt für mich nicht mehr in Frage. „Will ich das Tempo von Berlin noch mitmachen?“ Vielleicht als Besucherin. Ich darf in meinem Alter das Tempo runter schrauben und Karl Lagerfeld zitieren:“ Ich kenn nur Strass – kein Stress“

Stress brauche ich im Viertel nicht zu haben. Meine favorisierten Locations liegen vor der Tür. Ne lekkere Wurst essen im Rock&Wurst, wo es auch noch dufte Musik und noch duftere Servicekräfte gibt. Einen, mit Liebe und von Jule zubereiteten Espresso Macchiato im Harbour Kaffee trinken und die Sonne wahr nehmen, wenn sie denn da ist.

Wenn die Sterne besonders günstig stehen und ich mich von Sofa und Netflix trennen kann, gibt es heute auch noch eine Fotoausstellung von angesagten Bremer Barkeepern und Barkeeperinnen (hoffentlich ist keiner so alt wie ich und erkennt mich wieder;) im Kulturzentrum Lagerhaus und morgen legt DJ Frank Koopmann in der Markthalle 8 auf.

Ok – das ist zwar am Marktplatz und nicht im Bremer Viertel, doch die Entfernung von 800 Metern schaffe ich noch. Das erlaubt auch meine Viertelarroganz. Viele sympathische Menschen arbeiten da und zwar mit Begeisterung. DJ Koopmann will ich schon seit Ewigkeiten sehen und hören. Das Ganze ab 19:00 Uhr am Samstag. Auch für mich gilt:“ Let´s go!“

Viertelarroganz Für diese Spezies gilt ausschließlich das Bremer ¼ als Lebens-und Schaffensraum